Zeit für Veränderung? Zeit wegzugehen? Wieder eine Trennung?…
Irgendwann merkt man, dass es nicht mehr geht. Entweder man bleibt, und das Leid, die Enttäuschung und eine Art ungesunde Tagesroutine fressen einen innerlich auf. Oder man geht weg aus dieser „kranken“ Umgebung und versucht, ein neues Leben aufzubauen.

Oft haben Menschen Angst vor Veränderungen oder vor dem Versagen. Und was vielleicht noch schlimmer ist: Angst vor der Meinung der anderen, wenn man scheitert.
Ich habe weder das eine noch das andere. Ich versuche es. Und wenn es nicht klappt, dann ist es eben so. Neuer Anfang. Neues Leben. Auch jetzt, wo ich schon Ü55 bin. Na und? Ich habe noch so lange zu leben… Und unglücklich und frustriert zu leben, gehört nicht zu meinem Lebensplan.
Ist es anstrengend? Ja, sehr sogar… Wollte ich es vielleicht doch nicht so? Vielleicht… Wäre ein „stabiles“ Leben besser gewesen? …Vielleicht…
So viele Versuche und so viele Niederlagen… Lohnt es sich? Ja… Das schon… Denke ich…
Oft höre ich, dass die meisten Menschen am Ende ihres Lebens das bereuen, was sie nicht gemacht haben. Bei mir ist das nicht so… Im Gegenteil: Ich frage mich manchmal, ob ich es irgendwann bereuen werde, einfach alles ausprobiert haben zu wollen.
Vielleicht wäre ich glücklicher, wenn ich mir nichts Neues gewünscht hätte? Was wäre, wenn ich in meinem Heimatland geblieben wäre und dort meinen Beruf als Rechtsanwältin ausgeübt hätte? Oder hätte ich mich nicht für die Scheidung entscheiden sollen und stattdessen einfach versuchen sollen, meine Ehe zu retten?
… Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich nach fast zehn Jahren in der Firma nicht gekündigt hätte. Wenn ich dort bis heute geblieben wäre. Meine Kollegen, die ich so mochte, sind alle noch da. Sie feiern inzwischen oft ihr 20-jähriges Jubiläum oder Ähnliches. Sie bekommen einen Präsentkorb als Geschenk und ein Zertifikat für langjährige Leistung. Alle haben ein stabiles Leben. Sie sind verheiratet, haben ein Haus gekauft und warten auf die Rente.
Wäre ich so glücklicher?
Stattdessen fängt mein Leben jetzt wieder von vorne an… Bin ich bereit?… Bin ich fit genug?… Ich weiß es nicht… Jetzt ist es halt so… Und was ich weiß, ist, dass ich nach vorne schauen muss… Nur das…
Heute Vormittag lag ein Vogelbaby tot auf der Terrasse. Die Eltern haben so hart gearbeitet, das Nest gebaut und die Babys fleißig gefüttert und jetzt ist einer der kleinen Spatzen tot.
Was machen die Eltern?
Sie piepsen und sind am Anfang sehr verzweifelt. Danach hören sie auf, und es geht einfach weiter. Sie füttern die anderen Babys, fliegen hin und her, mit Insekten im Schnabel oder kleinen Stücken trockenem Gras. Sie fliegen weiter und nächstes Jahr, wenn sie nicht tot sind, sind sie wieder da, um alles von vorne anzufangen.
Die Natur zeigt mir ständig, dass das Ziel des Lebens vielleicht einfach nur das Leben selbst ist… und das Weitermachen. Es kommen Gewitter, und die Bäume gehen teilweise kaputt, aber sie bleiben da. Die Wildtiere fressen und werden gefressen und die, die weiterleben, machen weiter. Der Fluss tritt manchmal über die Ufer, zerstört viel, und danach geht das Leben einfach weiter — mit oder ohne Schaden.
So ist das Leben. Weitermachen. Nach vorne schauen.
Egal, ob man nach rechts oder nach links abgebogen ist… ob man von anderen nicht akzeptiert wird, ob man für Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder verrückt oder schwer verständlich erscheint…… Jeder hat sein eigenes Leben zu leben… Einfach nach vorne schauen.
…und weitergehen.
(*) Professionelle Hilfe: Meine Inhalte dienen Inspiration und allgemeinen Information. Wenn du jedoch das Gefühl hast, unter einer Depression oder einer anderen psychischen Belastung zu leiden, ist es sehr wichtig, dass du dir professionelle Hilfe suchst.




